Freitag , Juni 5 2020
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Bernhard Langer im Interview zur Golfzwangspause durch Corona

„Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Golf, obwohl Golfspielen mein Beruf ist”, erzählt Bernhard Langer, während er in seinem Haus in Boca Raton, Florida, verweilt. Ein Interview zur Golfzwangspause!

Bernhard Langer in der Golf-Zwangspause. Fotocredit: Daimler
Bernhard Langer in der Golf-Zwangspause. Fotocredit: Mercedes-Benz

Seit Ende März ist soziale Distanzierung im US-Bundesstaat Florida an der Tagesordnung. Der 62-Jährige und seine Frau Vikki sind gerade Großeltern geworden, Tochter Jackie hat Anfang April einen Sohn zur Welt gebracht. Mutter und Kind sind wohlauf, aber Langer muss sich noch gedulden, bis er das Kind persönlich in der Familie begrüßen kann. „Nur Jackies Ehemann darf bei ihr im Krankenhaus sein“, erzählt Langer. Regeln sind Regeln, und selbst ein zweimaliger Gewinner des Masters darf derzeit nicht zum Besuch ins Krankenhaus.

Ungewöhnliche Zeiten

Seit der ersten Märzwoche hat Langer kein Turnier mehr auf der PGA TOUR Champions bestritten. Die wöchentliche Kilometerleistung seines Mercedes-Benz ist beachtlich gesunken. Das Fahrzeug steht derzeit in der Garage, welche in den kommenden Wochen einen Frühjahrsputz erfahren soll. „Eine Grundreinigung wäre eine gute Sache“, gesteht Langer. Dies ist ein Golfinterview, aber wir sprechen über seine Garage. In der Tat ungewöhnliche Zeiten.

Langer ist nicht allzu besorgt über die Golfpause, kann aber ebenfalls noch nicht absehen, wann und wie es weitergeht. „Mein letztes Mal auf dem Golfplatz war mit meinem Sohn vor einer Woche, bevor unser Golfplatz geschlossen wurde“, erzählt er. „Ich habe seit drei Wochen kein Turnier gespielt, aber das ist nicht unüblich. Ich hatte schon oft Pausen von mehreren Wochen. Wenn ich Skifahren gehe, spiele ich manchmal zehn Tage lang nicht. Derzeit ist es also nicht ungewöhnlich, aber wenn die Situation noch einen weiteren Monat andauert, dann ist das für mich neu.“

Während sich die Masters-Woche nähert, ist das erste Major der Saison auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der Vorsitzende des Augusta National Golf Club, Fred Ridley, kürzlich bekannt gab. Langer, der das Masters 1985 und 1993 gewann, hat bis auf seine Daumenverletzung 2011 keine Austragung des Masters verpasst.  Dennoch war Langer damals zum jährlichen Champions Dinner am Dienstagabend vor dem Turnier vor Ort anwesend. Wenn die Green Jackets entstaubt werden und es nach Azaleen riecht, dann entfaltet das Masters seine ganze Anziehungskraft.

Masters im Herbst?

Vor 2011 verpasste Langer lediglich das Masters 1983, der Deutsche bringt es auf 35 Teilnahmen. Es muss sich für ihn eigenartig anfühlen, dass er dieses Jahr die zweite Aprilwoche zuhause verbringen wird.

„Ich möchte am Montag vor dem Masters gern ins Auto steigen und sagen ‚Hey Mercedes, bitte navigiere mich zum Augusta National Golf Club‘. Aber das wird nicht möglich sein“, gibt Langer zu. „Ich denke, dass das Masters zum Jahresende ausgetragen wird – im Oktober, November oder sogar Dezember. Es hängt davon ab, wie sich das Virus entwickelt. Aber wenn das Masters stattfindet, dann bin ich dabei. Ich habe den Platz noch nie im Herbst gespielt. Ich habe gehört, dass die Bedingungen ähnlich wie im April sein sollen. Vielleicht sehen die Blumen dann etwas anders aus, aber das ist okay, von dort möchte ich meinen Ball eh fernhalten.“

Auch mit 62 Jahren verlief die bisherige Saison der PGA TOUR Champions gewohnt erfolgreich für den dominierenden Spieler der letzten 13 Jahre. Bei fünf Turnierteilnahmen gewann er die Cologuard Classic in Tucson, Arizona, und holte drei weitere Plätze unter den ersten Zehn. In der Finalrunde von Tucson spielte Langer neun Birdies und kehrte mit einer 65er Runde einen Rückstand von vier Schlägen zu einem Sieg mit zwei Schlägen Vorsprung um. Mit diesem Sieg baute Langer seine Serie von mindestens einem Saisonsieg auf der PGA TOUR Champions seit seinem Debüt 2007 weiter aus.

Bald neuer Rekord für Langer 

„Ich war von meinem Saisonbeginn begeistert“, sagt Langer. „Ich hätte die ersten vier Turniere alle gewinnen können. Letzten Endes wurde es ein Sieg und jeweils ein Top-Sechs-Ergebnis bei den anderen drei Turnieren. Mein Spiel war sehr gut und ich bin hoffentlich nicht zu sehr eingerostet, wenn es wieder weitergeht.“

Naturgemäß müsste die PGA TOUR Champions mit ihrem Mindestalter von 50 Jahren für Langer Jahr für Jahr schwerer werden – besonders, wenn jede Saison neue 50-Jährige nachrücken. Aber Langer macht das Alter nichts aus. Er führt die Geldrangliste der PGA TOUR Champions 2020 zum Zeitpunkt der Unterbrechung vor den jüngeren Major-Gewinnern Ernie Els (50), Fred Couples (60), Retief Goosen (51) und Jose Maria Olazabal (54) an.

Der Sieg in Tucson war bereits Langers 41. Turniersieg bei den Senioren. Damit fehlen ihm nur noch vier Erfolge bis zum Rekord von Hale Irwin. Dieser hatte 2007 seinen 45. Sieg gefeiert – eine Zahl, die unerreichbar schien. Doch Langer hat noch nicht genug.

„Jede Woche werde ich an Hales Rekord erinnert. Jetzt bin ich wieder einen Schritt näher”, sagte Langer nach seinem Sieg in Tucson. „Wir leben nicht für Rekorde, aber es ist schön, ein paar davon inne zu haben. Ich schau gar nicht so sehr auf Hales Rekord. Ich möchte einfach mein Spiel verbessern. Ich weiß, dass ich Turniere gewinnen kann, wenn ich mein bestes Golf spiele. Und deshalb kann ich auch die 45 Siege auf der Champions Tour schaffen.“

Golfplätze und Fitness-Center derzeit geschlossen

„Mein Fokus liegt allerdings darauf, der beste Bernhard Langer zu sein, der ich sein kann. Ich habe das Glück, dass ich nun in der Nähe von Hales Rekord bin. Um ehrlich zu sein: Ich habe lange nicht geglaubt, dass irgendjemand diesen Rekord angreifen könnte. Das ist einfach verrückt. Ich habe in den letzten Jahren einige Stechen verloren. Wären die anders ausgegangen, könnte ich Hales Rekord bereits eingestellt haben. Ich werde weiter daran arbeiten.“

Dass Langers Spiel nicht einrosten darf, ist in diesem Frühling leichter gesagt als getan. Mit seiner Familie lebt er im Herzen von Boca Raton in einer Gemeinde mit akkuraten Vorgärten, eleganten Springbrunnen und geordneten Reihen von Palmen. Der örtliche Golfplatz und seine Räumlichkeiten sind aufgrund der COVID-19-Pandemie geschlossen.

Zwangspause für alle Profigolfer

„Sie haben ein großartiges Fitnesscenter etwa 300 Meter von meinem Haus entfernt. Dort bin ich normalerweise jeden Tag, wenn ich zuhause bin. Aber es wurde geschlossen, weshalb ich derzeit kreativ sein muss“, sagt Langer, der keinen eigenen Fitnesstrainer engagiert und seine Übungen selbst erstellt. „Ich habe einen schweren Trainingsschläger, ein 7er Eisen mit Blei im Schaft. Das schwinge ich in meinem Fitnessraum. Außerdem besitze ich ein Laufband und einen Heimtrainer.“

„Weiterhin benutze ich Stretching-Matten, mache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und der Pool tut meinen Knien und Schultern gut. Man muss einfach kreativ sein und nutzen, was man zur Verfügung hat. Man kann Situps, Liegestütze und Klimmzüge machen. Dafür reicht das Körpergewicht, man braucht kein Zubehör. Gestern war ich Rad fahren, das war sehr angenehm und eine gute Einheit. Ich habe sogar ein kleines Putting-Grün im Garten, dort kann ich auch etwas chippen.“

Langers tägliches Fitnessprogramm

Langers Kontrahenten auf der PGA TOUR Champions sollten achtsam sein. Der Führende der Geldrangliste nutzt die Zwangspause und wird bereit sein, wenn die Saison weitergeht. Langers andauernder Erfolg beruht auf keinem Märchen. Wer ihn schlagen will, kann das nur über harte Arbeit schaffen, härtere Arbeit als Langer sie selbst absolviert – und das ist kaum möglich.

“Es müssen viele Dinge passen, um zu gewinnen“, sagt der Mercedes-Benz Markenbotschafter. „Du musst gesund sein, um den Schläger richtig zu schwingen. Du musst entschlossen sein und du musst jeden Aspekt des Golfspiels trainieren. Du brauchst eine sehr gute Technik, musst unter Druck liefern können, aus dem Bunker schlagen, chippen und putten können. Und du musst deine Emotionen kontrollieren. Es sind einfach so viele Dinge, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden.“

Es bleibt die Frage, wann es mit dem professionellen Golf weitergeht. Niemand möchte eine lange Pause, aber wie Langer es sagt: „Es gibt viel wichtigere Dinge als Golf.“

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