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Projekt Golf und Natur: 150 Golfclubs sind dabei

Mit der Natur ist es so eine Sache: ‚Ihre Bedeutung kann man ja schlecht in Zahlen ausdrücken‘, sagt Günter Mayer, ‚aber natürlich hat sie schon einen Wert.‘ Mayer ist Head-Greenkeeper im Golfpark Aschheim. Eine Anlage, die sich dem Thema Natur mit der Teilnahme am DGV-Programm Golf & Natur verschrieben hat und das Zertifikat in Gold bald anstrebt. Das Thema ‚Natur‘ also hat hier, wo der Golfplatz auf dem Gelände einer alten Kiesgrube entstanden ist, durchaus einen gewissen Stellenwert. 

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Bahn 13 des GC Isarwinkel mit Blick auf die Zugspritze. Fotocredit: Green

Gleichzeitig aber haben die Club-Verantwortlichen erst einmal all‘ jene Themen im Kopf, die derzeit nahezu alle deutschen Golfanlagen bewegen: In einem insgesamt nicht leichten wirtschaftlichen Umfeld, nach einer Saison 2013 mit extremen Wetterverhältnissen, stehen fast überall Fragen wie Mitgliedergewinnung, Greenfeespieler oder Kostenmanagement beim Greenkeeping im Vordergrund. ‚Natur ist da eher ein weicher Faktor, der für viele Clubmanager oder Präsidenten schwer greifbar ist‘, stellt Dr. Gunther Hardt, Vorsitzender des DGV-Ausschuss Umwelt & Platzpflege, fest. Fest steht: Der finanzielle Input der Uferschwalben im Golfpark Aschheim ist genauso schwer zu ermitteln wie jener der Libellen, die auf den Teichen des GC Chieming zu finden sind oder der Bienenvölker, die man am GC Riedhof angesiedelt hat.

Trotzdem dürfte ‚Natur‘ in diesem Jahr auf Deutschlands Golfplätzen zu einem der Kernthemen der Golfszene werden. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Erhebungen und Umfragen des DOSB haben ergeben, dass die Faktoren Gesundheit und Natur für viele Menschen ausschlaggebend sind, wenn es um die Aufnahme einer neuen Sportart geht. ‚Der Golfsport ist vielleicht so gut wie keine andere Sportart auf diese neue Herausforderung eingestellt‘, resümiert DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer dazu. Tatsächlich kann Golf wie kaum ein anderer olympischer Sport mit Natur geradezu wuchern. Egal ob Heide- oder Küstenplätze, Anlagen in den Bergen oder Waldgebieten, Fairways zwischen Kiesgruben oder Grüns, die sich wie Inseln zwischen lichtem Rough erheben – ‚Golf ist ein Sport in und mit der Natur und diesen Vorteil müssen wir unbedingt noch weiter in der Öffentlichkeit hervorheben, viele Golfanlagen sind sich dessen noch gar nicht bewusst‘, wie Hardt erklärt.

Der DGV mit seinem Golf & Natur Beratungsteam hat mithilfe des Qualitätskonzeptes Golf & Natur bereits zahlreiche Vereine von dieser Argumentation überzeugt. 150 Golfclubs und Golfanlagen haben sich derzeit dem Zertifizierungsprogramm in Deutschland angeschlossen. Der Bayerische Golfverband hat dieses Programm von der ersten Stunde an unterstützt und freut sich daher über die 40 teilnehmenden Clubs in Bayern.

‚Unabhängig davon, dass Natur ein Bestandteil des Programmes ist, war für meine Arbeit als Greenkeeper am entscheidendsten, dass den Verantwortlichen im Club bewusst geworden ist, dass wir tatsächlich wie ein mittelständisches Unternehmen arbeiten müssen‘, erinnert sich Andrew Foyle vom GC Chieming an die Anfänge der Projektarbeit mit Golf & Natur. ‚Wir haben erkannt, dass wir gewisse Verbesserungen beim Arbeitsschutz, der Mitarbeiterfortbildung oder auch der Maschinenhalle machen müssen, um wirklich gesetzeskonform vorzugehen und auch das Haftungsrisiko zu minimieren‘, spricht er einen der Kernpunkte des Programmes an. ‚Unsere Vorstandsarbeit ist erheblich professioneller geworden‘, betont auch Arno Malte Uhlig als Präsident des GC Schloss Maxlrain diesen Aspekt. ‚Das Programm hat aus meiner Sicht den großen Vorteil, dass man sich als Verantwortlicher die Frage stellt ‚Was mache ich hier eigentlich? Wie sehen meine Rechtsgrundlagen und meine Ökonomie aus? Wie laufen meine Maschinen überhaupt?“

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Reichlich Nahrung für die Bienenvölker. Fotocredit: Green

Wer sich als Club neu mit Golf & Natur befasst, muss sich als erstes mit seinem Status Quo in verschiedenen Bereichen wie etwa Natur und Landschaft, Pflege und Spielbetrieb, Arbeitssicherheit und Umweltmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation auseinandersetzen. Für jedes Segment werden anschließend Projekte und Verbesse- rungsmaßnahmen entwickelt, die der Club dann eigenverantwortlich in der Praxis umsetzt. Das reicht von der Überprüfung von Ölabscheidern oder Genehmigungen der Behörden bis zur Erstellung einer Clubzeitung, die der verbesserten Kommunikation dienen soll.

Der Bereich ‚Rechtssicherheit‘ ist Gunther Hardt dabei auch deshalb besonders wichtig, weil das Thema ‚Natur‘ schließlich nicht nur bei den Golfern sondern auch bei den Behörden auf dem Vormarsch ist. ‚Wir versuchen über Golf & Natur zum Beispiel eine langfristige, bedarfsgerechte Sicherung der Wasserversorgung eines Clubs zu gewährleisten.‘ Auch die Klärung von Düngungs- und Spritzvorgaben sei ein wesentlicher Punkt, ‚hier steht das verantwortliche Vorstandsmitglied bzw. der Greenkeeper ansonsten immer mit einem halben Bein im Gefängnis.‘ Ein wesentlicher Bestandteil des Zertifikates ist deshalb auch die Identifizierung und Kontrolle von Risiken, denn man ist davon überzeugt, dass die regelkonforme Arbeit langfristig und nachhaltig zu einem gesteigerten Betriebsergebnis führt.

Für die Greenkeeper selbst ist das Programm selbst oftmals auch ein guter Rückhalt im Auftreten vor dem Kunden: ‚Wir haben ja immer wieder das Problem, dass unsere Mitglieder oder Gäste aus Florida von den tiefgrünen Plätzen kommen und dann im Chiemgau das Gleiche erwarten‘, erklärt Andrew Foyle. Er ist nicht der einzige bayerische Greenkeeper, der in diesem permanenten Konflikt aus Machbarkeit und Erwartungshaltung steckt. Angesichts der Tatsache, dass im deutschen Sommer so gut wie nie ein kompletter Tag für reine Pflegemaßnahmen ohne Golfer auf dem Platz zur Verfügung steht, geht es hier um die zeitliche und planerische Optimierung der Pflegemaßnahmen.

Das Verhalten der Golfer selbst ist dabei immer weniger planbar. ‚Wir merken bei uns auf der Golfanlage immer wieder, wie extrem gut die Kunden inzwischen über Facebook vernetzt sind und sofort wissen, wann eine Anlage in der Nachbarschaft zum Beispiel im Winter Sommergrüns bietet,‘ hat Günter Mayer inzwischen in Aschheim festgestellt. Dann wandern sofort sehr viele Spieler kurzfristig dahin ab. Auch die inzwischen sehr verlässliche Wettervorhersage hat zu einem deutlich sprunghafteren Verhalten der Golfer geführt: Verabredeten sich früher Gruppen an festen Tagen, fällt nun kurzfristig nach dem Check des Wetterdienstes die Entscheidung für oder gegen Golf. Wenn Günter Mayer an solch‘ einem ‚Spitzentag‘ womöglich gerade eine aufwändige Pflegemaßnahme geplant hat, wird es schwierig, dem Kunden einerseits kurzfristig einen perfekten Platz zu liefern, andererseits aber auch das für die langfristige Qualität wichtige Greenkeeping-Projekt durchzuführen.

‚Auch deshalb‘, so Gunther Hardt, ‚betonen wir bei Golf & Natur den Aspekt der Kommunikation sehr stark. ‚Wer sich für langfristig hohe Qualität entscheidet, gleichzeitig aber auch kurzfristig die Einnahmen sichern will, muss seine Arbeit permanent dokumentieren.‘ Auf diese Weise werde auch die Bedeutung der Arbeit für den Bereich Natur erkennbar. Das Anlegen von Magerrasen in Roughflächen, die Pflege von Uferschwalbenwänden, die Schaffung von Kieszonen – das alles mag auf den ersten Blick nicht wirklich mit der Spielqualität zusammen hängen. Während der Runde aber führen die Maßnahmen nicht nur zu einem höheren Spieltempo wegen lichterem Rough, sondern auch zu einer verstärkten Wahrnehmung von Fauna und Flora.

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Manfred Beer, Head-Greenkeeper GC Isarwinkel. Fotocredit: Green

Wer feststellen will, wie stark die Natur das Gesamterscheinungsbild einer Anlage beeinflusst, findet zum Beispiel im GC Isarwinkel in Bad Tölz ein schönes Beispiel. Der eher kleine Club mit seinem 9-Loch-Platz gehört nicht zu den herausragenden sportlichen Anlagen in Bayern, verströmt aber nicht nur aufgrund seiner perfekten Ausblicke in die Berge einen besonderen Charme. Head-Greenkeeper Manfred Beer ist hier eine gute Vernetzung der einzelnen Wasserflächen als Biotope gelungen. Offene Kies- und Schotterflächen haben sich als Standort für zahlreiche Insekten entwickeln, die Röhrichtsäume sind nicht nur ein Hingucker für den Golfer, sondern eben auch ein Lebens- raum für die Tiere. Auf einer Anlage wie dieser ist der Faktor Natur in seiner Bedeutung bei der Mitgliedergewinnung und auch der Erhöhung der Greenfeezahlen kaum zu unterschätzen.

Für die Betreiber von Golfanlagen wird ‚Natur‘ damit zu einem wesentlichen Faktor im Marketing: Laut der Imagestudie von DGV und VcG wird nämlich gerade der Punkt ‚Natur‘ extrem positiv sowohl von Golfern, wie Nicht- oder Ex-Golfern mit dem Golfsport verbunden. Das mag nicht sofort zu mehr Umsatz in der Kasse führen. Aber imagefördernd ist es allemal.

Auf exklusiv-golfen.de findet Ihr ausgewählte Inhalte vom Golfmagazin ‘green’ – Das Magazin des Bayerischen Golfverbandes. Das Magazin (1. Ausgabe 2014) könnt Ihr hier online komplett als eMagazin lesen!

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