Es ist eine Geschichte, die an Orten beginnt, die kaum jemand als große Golfdestinationen bezeichnen würde: Glenfarclas, Le Vaudreuil, Andalusien, sogar Kenia. Sponsoren, Städte und Länder, die für einen jungen Spieler namens Aaron Rai einst wichtige Stationen auf einer langen Reise waren. Rai war unterwegs, um in diesem eigenartigen Spiel namens Golf so gut zu werden, wie er nur konnte. Heute, mit 31 Jahren, spricht er über diesen Sport nicht als Spiel der Zufälle, sondern als Schule des Lebens. „Demut“, sagte Rai am 18. Grün von Aronimink.

PGA Champonship 2026 Gewinner Aaron Rai
Die Dämmerung senkte sich über den Platz, endlich lag echtes Sommergefühl in der Luft, warme Feuchtigkeit hing über einer Zuschauermenge, die noch nicht bereit war zu gehen. Nicht nach dieser Vorstellung. Nicht nach einem Major-Finale, das in der dichten Abendluft noch nachhallte.
„Golf ist ein unglaubliches Spiel“, sagte Rai kurz nachdem er etwas ebenso Unglaubliches vollbracht hatte. Mit einer finalen 65, fünf unter Par, spielte er sich auf 9 unter Par / 271 Schläge und gewann die 108. PGA Championship mit drei Schlägen Vorsprung.
Damit wurde Rai der erste Engländer seit 1919, der diese traditionsreiche Championship gewinnen konnte. Während ihn die Zuschauer feierten und Konkurrenten im Interviewraum mit Lob überschütteten, zeigte Rai genau jene Eigenschaft, die Golf wie kaum ein anderer Sport lehrt: Demut.
Ein PGA Champion ohne große Gesten
Aaron Rai ist leise, höflich, zurückhaltend. Er nutzt nicht einmal Social Media. Vielleicht wirkt genau das in einer Zeit permanenter Selbstinszenierung so erfrischend. Seine Karriere begann 2012, als er noch Teenager war. Seitdem führte ihn sein Weg über die PGA EuroPro Tour, die Challenge Tour, viele kleine Stopps, viele Länder und viele Turniere fernab des großen Rampenlichts.
Als man ihm nahelegte, dass die Menschen wissen sollten, wie lange er für diesen Moment gearbeitet habe, nickte Rai nur – und weigerte sich, den Scheinwerfer allein auf sich zu richten.
Ja, es fühle sich definitiv wie eine Reise an, sagte er. Aber er betonte sofort den Respekt vor seinen Kollegen und vor dem Spiel, das seit 14 Jahren sein Leben prägt. „Jeder Spieler in diesem Feld hat eine großartige Reise zu erzählen. Ich bin da keine Ausnahme.“
Doch Rais Weg war anders als der vieler anderer. Egal, wo er spielte: Er wurde besser. Er gewann. Er erarbeitete sich den Weg auf die DP World Tour und später auf die PGA Tour.

Der Zeitpunkt als sich das Leaderboard staute
Nach 54 Löchern glich das Leaderboard einem einzigen Stau: ein Führender bei 6 unter Par, fünf Spieler bei 4 unter Par, vier weitere bei 3 unter Par und zwölf Spieler bei 2 unter Par. Namen wie Rory McIlroy, Jon Rahm, Xander Schauffele, Cameron Smith, Scottie Scheffler, Justin Rose und Patrick Reed zogen erwartungsgemäß viel Aufmerksamkeit auf sich.
Doch am Sonntag musste der Ball noch immer über hunderte Hektar Golfplatz bewegt werden. Genau dort glänzte der eher unauffällige Rai. Er war dann am besten, als es am meisten zählte. Der Schlüsselmoment kam am Par-5 der 9. Bahn. Rai hatte zuvor Bogeys auf der 6 und 8 kassiert und war auf 3 unter Par zurückgefallen – drei Schläge hinter Matti Schmid, der zu diesem Zeitpunkt führte.
Dann schlug Rai ein 5-Holz aus rund 260 Yards zur Fahne. Der Ball kam etwa 45 Fuß vom Loch entfernt zur Ruhe. Der Eagle-Putt fiel. Rai gab später zu, dass er auch mit einem Zweiputt-Birdie zufrieden gewesen wäre. Doch dieser Eagle brachte sein Spiel in eine neue Richtung.
Der entscheidende Back Nine
Mit diesem Momentum ging Rai auf die zweiten Neun. Dort spielte er eine brillante 31 und löste sich aus dem Gedränge an der Spitze. Seine Konkurrenten konnten nur noch applaudieren.
Verdient war dieser Applaus allemal – für den Triumph, aber auch für eine Karriere, die seit 2012 nie den einfachsten Weg genommen hatte. Würde selbst dieser bescheidene Engländer zugeben, dass dieser Major-Sieg nun Licht auf seine lange Reise wirft? Mit einem breiten Lächeln sagte Rai schließlich:
„Ja, es ist wirklich ein langer Weg, überhaupt bei Major Championships wie der PGA antreten zu können. Hier zu stehen – das ist noch gar nicht richtig angekommen. Eine unglaubliche Reise.“
Rahm und Smalley teilen Platz zwei
Wie stark Rai war, zeigte sich auch daran, dass selbst die Spieler direkt hinter ihm kaum mit dem eigenen verpassten Sieg haderten. Jon Rahm kam ihm am nächsten und spielte eine 68. Gemeinsam mit Alex Smalley beendete er das Turnier bei 6 unter Par / 274 Schläge, drei Schläge hinter Rai.
Rahm sagte zwar, er sei frustriert gewesen, die Geschwindigkeit der Grüns in Aronimink nicht besser gelesen zu haben. Doch er fügte sinngemäß hinzu: Selbst dann wäre es schwierig gewesen, Aaron einzuholen.
Smalley sicherte sich seinen zweiten Platz mit einer 33 auf den Back Nine. Nach einer 70 am Finaltag blieb er zwar hinter seiner Ausgangsposition zurück – er war mit zwei Schlägen Vorsprung in den Sonntag gestartet – doch für ihn gab es einen großen Trost: Gemeinsam mit Matti Schmid qualifizierte er sich über das starke Finish für das Masters im kommenden April. „Ich bin begeistert, nach Augusta zu fahren“, sagte Smalley.
Matti Schmid: Starkes Major-Finish und Masters-Ticket

Auch Matti Schmid darf sich über ein bedeutendes Ergebnis freuen. Der Regensburger spielte eine 69, beendete die PGA Championship bei 5 unter Par / 275 Schläge und teilte sich Rang vier.
Schmid hatte zwischenzeitlich sogar allein geführt, musste auf den Bahnen 10 und 15 jedoch Bogeys hinnehmen. Dennoch bleibt sein Auftritt einer der großen deutschen Momente dieser PGA Championship: letzter Flight am Sonntag, direkte Nähe zur Spitze und am Ende die Masters-Qualifikation.
Über den Sieger fand Schmid klare Worte: „Aaron ist ein unglaublich harter Arbeiter, vielleicht der härteste Arbeiter auf der Tour.“
Ergebnisse von Schmid, Jäger und Kaymer
Aus deutscher Sicht war Matti Schmid der große Gewinner der PGA Championship 2026. Der Regensburger beendete das Major mit Runden von 69, 72, 65 und 69 Schlägen bei 5 unter Par auf dem geteilten 4. Platz – als bester Deutscher des Turniers. Er sicherte sich damit auch die Einladung zum Masters Tournament in Augusta 2027!
Stephan Jäger kam nach Runden von 67, 70, 73 und 69 bei 1 unter Par auf den geteilten 18. Platz. Martin Kaymer beendete die Woche mit 67, 75, 66 und 73 Schlägen auf dem geteilten 35. Platz. Übrigens: Für die BMW International Open 2026 im Golfclub München Eichenried sind Anfang Juli 2026 neben Schmid bereits Stephan Jäger und Martin Kaymer bestätigt. Damit bekommt das einzige DP-World-Tour-Turnier in Deutschland Anfang Juli ein deutsches Trio mit besonderer Strahlkraft.
Justin Thomas mit wilder Aufholjagd
Eines der ungewöhnlichsten Ergebnisse des Turniers lieferte Justin Thomas. Nach einer enttäuschenden 72 am Samstag war er auf Rang 31 zurückgefallen und sechs Schläge von der Spitze entfernt. Er verließ Aronimink am Samstagabend frustriert.
Am Sonntag kam er zurück – und spielte sich mit einer 65 plötzlich wieder ganz nach vorne. Zeitweise stand er im Interview neben einem Leaderboard, auf dem er nur einen Schlag hinter der Spitze lag. Am Ende reichte es nicht für ein Playoff, doch Thomas beendete das Turnier ebenfalls auf Rang vier.
Kurt Kitayama schreibt PGA-Geschichte
Ein weiteres Highlight setzte Kurt Kitayama. In einem der frühen Flights spielte er eine bogeyfreie 63 und stellte damit den PGA-Championship-Rekord für die niedrigste Finalrunde ein. Nur Brad Faxon hatte 1995 in Riviera ebenfalls eine 63 am Schlusstag gespielt.
Kitayama war nach einer 75 am Samstag weit zurückgefallen. Am Sonntag sprang er mit seiner Rekordrunde von Rang 64 auf Rang 10 — ein sportlich und finanziell bemerkenswerter Schlusspunkt.
Scheffler außerhalb der Top 10
Für Scottie Scheffler verlief die Woche ungewöhnlich unspektakulär. Der Weltranglistenerste kam in vier Runden nur auf 14 Birdies. Mit einer abschließenden 69 beendete er das Turnier bei 2 unter Par / 278 Schläge auf Rang 14.
Es war das erste Mal seit der U.S. Open 2023, dass Scheffler bei einem Major nicht in den Top 10 landete. In den sechs Majors zuvor war er stets geteilter Siebter oder besser gewesen.
Ben Kern und die PGA Professionals
Für Ben Kern war die Woche bereits ein Erfolg, als er den Cut geschafft hatte und als bester PGA of America Golf Professional feststand. Noch besonderer wurde sie, als er seine Finalrunden-Paarung sah: Er spielte gemeinsam mit Luke Donald.

Kern, General Manager im Hickory Hills Golf Club in Grove City, Ohio, hatte Donald bereits 2023 in Oak Hill kennengelernt. Die gemeinsame Runde am Sonntag empfand er als besonderen Moment. Mit einer 72 beendete Kern das Turnier bei 290 Schlägen. Noch wichtiger war für ihn die Unterstützung seines Clubs.
„Es ist etwas Besonderes, meine Mitglieder und die Unterstützung von Hickory Hills hinter mir zu haben. Es war großartig, meinen ganzen Club in meiner Ecke zu wissen.“
Aronimink zeigte seine Zähne
Eine Statistik dürfte besonders Amateurspieler trösten: Über vier Tage gab es in Aronimink 416 Dreiputts – und das bei den besten Spielern der Welt. Die schwierigen Grüns waren die ganze Woche über ein zentrales Thema. Aronimink belohnte Geduld, Präzision und Demut. Vielleicht passt deshalb kein Sieger besser zu dieser PGA Championship als Aaron Rai.
Die Wanamaker Trophy und ein Moment der Geschichte
Zum Finale passte auch ein besonderer Gast: John Wanamaker, Urenkel von Rodman Wanamaker, war vor Ort. Rodman Wanamaker war jener amerikanische Unternehmer, der eine wichtige Rolle bei der Gründung der PGA spielte. Die berühmte Wanamaker Trophy, die dem Sieger der PGA Championship überreicht wird, trägt seinen Namen.
John Wanamaker sprach von einem starken Gefühl des Stolzes, neben der 29,5 Zoll hohen Trophäe zu stehen, die nach seinem Urgroßvater benannt ist.
Für Aaron Rai wurde sie am Sonntagabend zum Symbol einer langen Reise. Von kleinen Turnieren und unscheinbaren Stationen bis zum Triumph in Aronimink.
Ein Major-Sieg, getragen von Präzision, Geduld und einer Eigenschaft, die Rai selbst am besten benannte: Demut.
Preisgeld: Das Preisgeld der PGA Championship lag bei über 20,5 Millionen US-Dollar. Der Sieger erhielt rund 3,69 Millionen US-Dollar, selbst Platz 82 wurde noch mit rund 23.900 US-Dollar dotiert.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Pool-Reporter Jim McCabe / PGA of America.
Übersetzung, Kürzung und redaktionelle Bearbeitung: Yvonne Wirsing / Exklusiv Golfen.
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