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Letzte Ruhe auf dem Golfplatz? Wunsch nach unkonventionellen Bestattungen nimmt zu

Erst letzte Woche machte Ex-US-Präsident und Amateurgolfer Donald Trump Schlagzeilen, weil er seine Ex-Frau Ivana auf dem Golfplatz ‚National Golf Club‘ in Bedminster (US-Bundesstaat New Jersey) beigesetzt hatte. Vor über 15 Jahren plauderte Trump selbst schon einmal in der Öffentlichkeit von seiner letzten Ruhe auf dem Golfplatz. Er hat es einfach, gehören ihm auch die Grundstücke, auf denen der Golfplatz liegt. Auch in Europa werden herkömmliche Bestattungen auf Friedhöfen immer mehr in Frage gestellt. In der Schweiz kam bereits der Engadiner Golfclub dem letzten Wunsch eines englischen Golfers nach und verstreute dessen Asche an seinem Lieblingsloch. Das Konzept des ersten Bestattungswaldes wurde in der Schweiz entwickelt, welches durchaus für Golfplätze adaptierbar wäre.

Biologisch abbaubare Urnen machen es möglich, dass man
Biologisch abbaubare Urnen würden es möglich machen, dass man sich seine letzte Ruhestätte auf dem Golfplatz wünschen kann. Doch dafür müsste ein Golfplatz auch zum Friedhofsunternehmen nach Friedwald-Vorbild werden.

In einem Bestattungswald werden die Urnen zwischen den Wurzeln eines Baumes vergraben. Außer eine Nummer am Baum erinnert nichts an das Urnengrab zwischen den Wurzeln. Die Bios Urne, welche man online kaufen kann, hat einen weiteren Ansatz. Das spezielle Design ermöglicht dem eingebrachten Samen zu keimen. Wenn die Kompostierung beginnt, kann der Samen Wurzeln schlagen und dann nach oben wachsen. Hier kann man sich sogar die Baumart aussuchen, welche direkt aus seiner Urne wachsen soll.

Herkömmliche Bestattungen in Frage gestellt

Der Bestattungswald in Dietramszell (ca. 40 km von München in Richtung Bad Tölz) ist ca. 7 ha groß mit der Option, den Wald auf 18 Hektar zu erweitern. Bis 2099 hat die Gemeinde das Wald-Grundstück erst einmal von der Besitzerfamilien von Schilcher gepachtet. Aktuell sind 300 Bäume für die unkonventionelle Bestattung auserkoren. Zusätzlich hilft ein Weg- und Bäume-Plan auf Hinweis-Pfosten zur Orientierung.

Es gibt verschiedene Abteilungen mit Gemeinschafts- oder Familienbäumen. Fotocredit: EM
Es gibt verschiedene Abteilungen mit Gemeinschafts- oder Familienbäumen. Fotocredit: EM

Ähnlich wie auf klassischen Friedhöfen bezahlt man für den Platz und eine Laufzeit. Nach dieser kann man als Angehöriger das Baumschild entfernen lassen, wenn der Name des Verstorbenen darauf steht. Das ist in der Regel nach 25 Jahren möglich. Die Kosten für einen Familienbaum beginnen bei ca. 3.900 €. Für einen Einzelplatz an einem Gemeinschaftsbaum für 25 Jahre schwanken die Kosten zwischen ca. 850 bis ca. 1.950 €. Ein Modell, welches für Golfplätze überlegungswert ist, wenn Grund und Boden der Betreibergesellschaft gehört.

Auch der Andachtsplatz mit Blick zum See ist sehr schlicht gehalten.
Auch der Andachtsplatz mit Blick zum See ist sehr schlicht gehalten. Fotocredit: EM

Um auf einem Golfplatz einen Friedwald zu errichten muss man sicherlich noch einige bürokratische Hürden meistern. Die Steuervorteile, welche US-Medien auch Donald Trump als Motivation für das Familiengrab auf dem Golfplatz nachsagen, inklusive. Wahrscheinlich wird auch das ein oder andere Golfmitglied brüskiert sein. Zum Nachdenken bringt uns diese neue Form von Bestattungen allemal.

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