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Deutsche Golfplätze für echte Könner

Golfprofis haben immens schwere als auch leichtere Golfplätze in ihrem Turnierkalender. So reichte Graeme McDowell bei der US Open in Pebble Beach ein Endergebnis von Par, um den Titel mit nach Hause zu nehmen. Andere Plätze hingegen werden regelrecht zerlegt wie etwa bei der South African Open in Durban, wo der Sieger Els im Jahr 2010 bei 25 Schlägen unter dem Platzstandard lag. Was macht also einen Golfplatz richtig schwer?

Besucht man einen unbekannten Platz, können er aber schon aus den Angaben zum Course Rating und des Slope erste Schlüsse gezogen werden – wenn auch mehr theoretischer Natur. Ein hoher CR-Wert lässt durchaus lange Spielbahnen erwarten, ein Wert für den Slope deutlich größer als 113 wird es dem Durchschnittsspieler schwerer machen, sein Handicap zu spielen. Trifft dann gar beides zu, muss der Spieler hier sein bestes Golf zeigen. Auch in Deutschland haben sich die Platzdesigner einiges einfallen lassen, um ihren Plätzen eine Portion mehr an Herausforderung mitzugeben. Und wer sich dieser stellen will, teet seinen Ball am hinteren Abschlag auf.

Das gepflegte Monster im Norden: Green Eagle

Als einer der zurzeit anspruchsvollsten Golfplätze in Deutschland kann der Nord-Course auf der Golfanlage Green Eagle südöstlich von Hamburg in Winsen gelten. Nicht umsonst wählte die Pro Golf Tour, wie auch schon die Ecco Tour vor einigen Jahren, genau diesen Platz als Ort für ihr Turnier ‚Green Eagle Classic’ im Mai 2013 aus. Mit gut 7.200 Metern vom weißen Tee und immer noch gut 6.600 Meter von den gelben Abschlägen hat der Miteigentümer und ehemalige Golflehrer Michael Blesch einen der längsten Kurse in Europa und sogar weltweit erschaffen. Hier war also keiner der renommierten Platzarchitekten am Werk, sondern jemand, der eine Vision umsetzen wollte und dem nur das Beste gut genug war. Er verwendete sogar auf den Fairways sehr pflegeintensive Agrostisgräser, die andere Clubs für ihre Grüns benutzen. Wirklich kurzgeschorenes PenA4-Gras macht zudem die ondulierten Riesengrüns im US-Stil auf dem Nord-Course zu den schnellsten Vertretern der ganzen Republik. Das hat auch Vorteile, denn ein Putt kann hier schon einmal über 40 Meter lang werden.

Blick über das makellose Fairway der Bahn 3 des Nord-Course hin zum Grün - Photocredit: GA Green Eagle
Blick über das makellose Fairway der Bahn 3 des Nord-Course hin zum Grün – Photocredit: GA Green Eagle

Neben den sattgrünen Fairways warten auf diesem Platz an fast jedem Loch üppige Wasserhindernisse und schneeweiße Bunker, die optisch reizvoll sind – das Spiel aber nicht gerade vereinfachen. Zur Erholung nach der konzentrierten Runde lockt das stylische Clubhaus mitsamt Seeterrasse und sogar einem Sandstrand zum Relaxen am Teich der 18. Wer immer noch nicht genug hat, spielt die etwas einfacheren 18 Löcher des Süd-Course oder vergnügt sich auf dem riesigen Übungsareal.

Direkter Link zur GA Green Eagle: www.greeneagle.de

Auch für Profis richtig schwer: Golf Valley

Eine wellige und wogende Landschaft unterstreicht den weitläufigen und offenen Platzcharakter - Photocredit: Stefan von Stengel / Golf Valley
Eine wellige und wogende Landschaft unterstreicht den weitläufigen und offenen Platzcharakter – Photocredit: Stefan von Stengel / Golf Valley

Auf einem ehemaligen Militärgelände zwischen München und dem Tegernsee erschuf der Golfplatzarchitekt David Krause einen echten Hingucker – landschaftlich wie auch spielerisch. Absichtlich trägt das Areal von Golf Valley den Zusatz München, weil wohl sonst kaum jemand die gleichnamige 3000-Seelen Gemeinde mit dem fälschlich englisch anmutenden Namen kennt. Das leicht wogende Gelände im Voralpenland bekam vom Trent Jones Sr.-Schüler David Krause durch üppige Erdbewegungen einen nicht alltäglichen und gar nicht langweiligen Charakter verpasst. Vorgabe bei der Planung war es, einen würdigen Platz zur Ausrichtung von Profiturnieren wie etwa die der European Tour zu bauen. Neben der Pflicht, große Zuschauermengen ohne Probleme zu bewältigen und dabei Flächen für Catering und Aussteller vorzuhalten, sollte auch die Pflege dem nicht nachstehen. Der extrem hohe Qualitätsanspruch zeigt sich heute in dicken Grasnarben der Fairways, die wie auch die Grüns und Abschläge aus speziell entwickelten Grassorten entstanden sind – eine der Referenzen in Deutschland.

Drei 9-Loch Schleifen (A, B, C) warten nun auf eine täglich limitierte Zahl an Gästen, die an jeder Teebox aus üppigen sechs Abschlagsmarken wählen können – je nach Gusto oder Spielstärke. Valleys Highlight für wahre Kämpfer und Cracks sind die goldenen Tees. Von hier wäre „der Platz richtig schwer“, meint David Krause – geschickt platzierte Bunker und die in der Seenlandschaft am Clubhaus angelegten Grüns sind daran nicht ganz unbeteiligt. Mit über 7 Kilometern reiner Bahnlänge, einem CR-Wert von bald 80 sowie einem mehr den Bogey-Golfer betreffenden Slope von 142 ist die Runde auf der Platzkombination A/B eine echte Aufgabe. Immerhin haben aber die meisten Grüns eine Grundfläche wie die eines durchschnittlichen Einfamilienhauses.

Das aufwendige Inselgrün nahe des Clubhauses als Traumfinale - Photocredit: Stefan von Stengel / Golf Valley
Das aufwendige Inselgrün nahe des Clubhauses als Traumfinale – Photocredit: Stefan von Stengel / Golf Valley

Wem das aber zu stressig wird, wählt besser die gelben oder roten Abschläge. ‚Dann wird es ein Golferlebnis‘, verspricht Krause, denn so hatte er das Layout konzipiert. Dass es sich in Valley auch unter besten Voraussetzungen trainieren lässt, verwundert dann auch nicht mehr. Ein Übungszentrum samt Flutlicht, der 9-Loch Golfpark und sogar ein Stützpunkt der weltweit bekannten David Leadbetter Golf Academy erfüllen gleich alle Wünsche an einem Ort.

Direkter Link zu Golf Valley München: www.golfvalley.de

Das Showobjekt des Sir Nick Faldo: Sporting Club Bad Saarow

Aufgabe: Bau eines Links-Courses mitten ins brandenburgische Flachland. Der Platz soll richtig schwer sein, ursprüngliches Golf wie in Schottland verkörpern, viele Topfbunker aufbieten und einer der herausforderndsten Plätze in Deutschland werden. Nachteil: Kein Meer. Vorteil: Viel Wind über offenem Gelände, hohes Rough möglich. Der richtige Architekt für dieses Unterfangen: Sir Nick Faldo.

Buckelpiste: Die Bahn 10 des Platzes zeigt den wahren Links-Charakter - Photocredit: Stefan von Stengel / A-ROSA
Buckelpiste: Die Bahn 10 des Platzes zeigt den wahren Links-Charakter – Photocredit: Stefan von Stengel / A-ROSA

So oder ähnlich muss es geklungen haben, als die ersten Pläne für den Nick Faldo Platz geschmiedet wurden. 1996 war es dann soweit und der 18-Loch Platz aus der Feder von Nick Faldo wurde dem Sporting Club Berlin in Bad Saarow übergeben. Fast umgehend wählte ‚Golf World‘ diesen Platz zum besten neuen Kurs Kontinentaleuropas. Seit 1998 wurden hier etliche bedeutende Turniere ausgetragen, bei denen auch so mancher Profi verzweifelte. Dazu trugen nicht nur die 133 tiefen Pottbunker als Begleiter auf wie neben den Fairways und Beschützer der Grüns bei, sondern auch die durch hohes Dünengras flankierten Spielbahnen und natürlich – der Wind. Klein sind die Grüns nicht, doch mächtig onduliert wie auch die langen und mitunter schmalen Fairways. Wer hier nicht den richtigen Weg wählt, muss auch mal Ballverluste hinnehmen.

Der Nick Faldo Platz habe einen ‚echten Kino Charakter‘, sagt auch der Platzarchitekt David Krause: Sehr schön anzusehen, doch schwer zu spielen. Schottland pur südöstlich von Berlin. Es wurde aber mitgedacht, denn jeder Abschlag verfügt über satte sechs Tees. Ist dem männlichen Gast der weiße oder den Damen der gelbe Block zu unheimlich, kann auf die kürzeren Varianten ausgewichen werden. Damen mit sportlichen Ambitionen etwa können sich hier richtig fordern. Vom gelben Damenabschlag wächst der Par 72-Kurs auf rund 6.100 Meter Länge an. Beim CR-Wert von fast 80 und hohem Slope (151) gibt es zwar ein Plus von mitunter 11 Schlägen auf die Stammvorgabe, doch leicht ist etwas anderes …

Direkter Link zum SCB im A-ROSA Resort Scharmützelsee: www.sporting-club-berlin.de

Optimierung durch Zähmung: GC Brunstorf

Einen wahren Knaller entwarfen die beiden Platzplaner Manfred Meyer und der Clubpro Peter Miller auf dem Ackerland knapp 30 Kilometer von Hamburgs Zentrum entfernt: Den Championship Course im Golf & Country Club Brunstorf in Schleswig-Holstein. Trotz des insgesamt eher flachen Geländes in der Region präsentieren sich die 18 Spielbahnen durchgehend wellig mit Höhenunterschieden. Auf der Runde über ein brauchbares Spiel aus dem Sand zu verfügen ist nicht verkehrt, denn der Platz ist gespickt von strategisch geschickt ins Layout eingepassten Bunkern oder gar ganzen Bunkerlandschaften. Da blockiert schon mal eine Dreierkette von steilen Topfbunkern, wie auf der Bahn 9, den direkten Weg auf das Grün – und die sind durch die Bank üppig onduliert wie auch schnell. Wer auf einem Platz statt des Sands doch mehr das Wasser scheut und zumindest in diesem Punkt auf Entspannung hofft, wird enttäuscht. Siekgräben, Teiche und parallele Wasserläufe lauern hier ebenso auf Ballopfer. Genug Abwechslung ist also garantiert. Neben der Pflichtübung, sich den nächsten Schlag immer gut überlegen zu müssen, ist oft ein wenig mehr Länge als üblich gefragt.

Natur pur auf dem Brunstorfer Platz als Golferparadies im Norden - Photocredit: Stefan von Stengel / G&CC Brunstorf
Natur pur auf dem Brunstorfer Platz als Golferparadies im Norden – Photocredit: Stefan von Stengel / G&CC Brunstorf

Dem ursprünglichen Platzlayout des 18-Loch Kurses standen nicht wenige kritisch gegenüber, denn manche der Par 3 und Par 4-Bahnen waren schlichtweg zu lang. Was für die Profis der European Challenge Tour, die im Sommer 2002 in Brunstorf gastierten, fast Normalität war, kann den Durchschnittsgolfer leicht deprimieren. Unter Mitwirkung von David Krause wurde deshalb an einem Masterplan gearbeitet, der zwar den Anspruch des Platzes wahrte, aber extreme Längen vermied. Nach der Umsetzung 2007 konnte daher das Gros der Spieler etwas aufatmen und den Platz eher genießen als ihn zu fürchten.

Ein echter Golf & Country Club wartet mit ein wenig mehr als „nur“ einem Golfplatz auf. Dazu gehört das auf dem höchsten Punkt des Geländes gelegene Clubhaus, einem der größten Exemplare Deutschlands, mit Sauna samt Fitnessareal und einer umfangreichen Gastronomie. Wen die Golfakademie samt Übungseinrichtungen wegen schlechten Wetters gerade nicht motiviert, kann im Torhaus mit Putting Green und Golfsimulator trainieren.

Direkter Link zum G&CC Brunstorf: www.golfclub-brunstorf.de

Welche Voraussetzungen müssen Golfanfänger mitbringen?

Bis auf den G&CC Brunstorf gehörten die genannten Plätze zu den Kandidaten, die sich als Austragungsstätten für den Ryder Cup 2018 beworben hatten. Gewonnen haben sie das Rennen zwar nicht, doch ist schon allein die Kandiatur ein klares Indiz dafür, auf welch hohem sportlichen Niveau der Anspruch und auch die Qualität dieser Anlagen liegt. Es ist definitiv interessant, sich auch einmal in der Praxis vor Augen zu führen, wie schwer das Spiel auf derlei langen und mit Schwierigkeiten gespickten Plätzen ist.

Um nicht die Heimfahrt nach der Runde voller Enttäuschung anzutreten, ist aber schon ein gewisses Maß an Spielfertigkeit eine Voraussetzung. Wenn ein frischer Platzreife-Inhaber seinen Ball etwa zwischen den goldenen Tees in Valley oder die weißen Marken im Green Eagle auflegt, kann dies schon das jähe Ende einer beginnenden Golfkarriere bedeuten: Hier wären 60 bis 70 Schläge über Par schon gut, doch der Spieler trotzdem sicher schockiert.

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