Donnerstag , April 25 2019
Home / Green-Golfmagazin / Der Sky-Golf-Reporter Carlo Knauss über Kritik an seiner Berichterstattung

Der Sky-Golf-Reporter Carlo Knauss über Kritik an seiner Berichterstattung

Carlo Knauss kommentiert seit 18 Jahren Golfturniere in aller Welt. Zunächst für DSF, später dann für Sky. Für den Abo-Sender ist der Kommentator heute bei der European und der US Tour live am Mikrofon. Seine Art des sachlich-nüchternen Kommentars polarisiert. So beschwerte sich Martin Kaymer, nachdem er den entschiedenen Punkt beim Ryder Cup 2012 geholt hatte, in einem Interview über die fehlende Euphorie der Sky-Fernsehmoderatoren. Insbesondere Knauss stand in der Kritik. ‚Green‘ traf Carlo Knauss zu einem Gespräch.

‚Lautes Geschrei ist nicht meine Sache‘, sagt der Golf-Kommentator Carlo Knauss.

Herr Knauss, hat Sie die Kritik von Martin Kaymer getroffen?

Ehrlich gesagt, nein, denn ich habe das überhaupt nicht mitbekommen. Ich verfolge weder Facebook noch andere Plattformen im Internet. Erst als sich der Sender dazu öffentlich geäußert hat, habe ich das Interview gelesen.

Wenn sich der beste deutsche Golfer so negativ über mangelnde Euphorie bei ihrer Berichterstattung äußert, sollte einem das doch zu denken geben …

Wissen sie, persönliche Kritik interessiert mich nur, wenn ich hinterfrage, ob die abgelieferte Arbeit tatsächlich fehlerhaft war. Das war beim Ryder Cup überhaupt nicht der Fall. Meine Aufgabe ist es, mit der Redaktion und den Verantwortlichen das bestmögliche Produkt abzuliefern – unabhängig von der Meinung einzelner.

Persönliche Kritik prallt an Ihnen ab?

Mit persönlicher Kritik müssen wir immer leben. Ich berichte seit 1995 intensiv über Golf und habe eine bestimmte Art, Golf zu kommentieren. Vielen Menschen gefällt das offenbar sehr gut und einigen eben nicht. Wenn nach einer derartigen Aufholjagd das europäische Team noch gewinnt und einem Deutschen sogar der entscheidende Putt gelingt, kann man doch schon mal jubeln. Das war ein toller, legendärer Moment. Eine fantastische Geschichte – aber das konnte ja jeder sehen und jeder hat es auch verstanden. Das Ereignis als solches fesselt den Zuschauer, das Bild spricht für sich, da braucht man keinen quasselnden Reporter. Um laut zu werden, bin ich der Falsche.

Also eine ganz eigene ‚Philosophie‘?

Ja klar. Beim Kommentieren muss man eine stringente Linie verfolgen. Ich versuche Dinge anzumerken, die der Zuschauer nicht sehen kann, sachlich und informativ. Dies alles vor dem Hintergrund meiner langjährigen Erfahrung als Tour-Profi und Bundestrainer des DGV.

Ein Golfturnier dauert drei, vier Tage – keine leichte Aufgabe für Sie.

Golf kann man nicht so leicht kommentieren wie ein Fußballspiel. Über so eine lange Strecke ist das keine einfache Sache. Ich versuche, der Berichterstattung einen Rhythmus zu geben, da braucht man eine Dramaturgie und man kann nicht von Anfang an Vollgas geben. Wann muss Schwung rein, wann raus. Wann ist das Bild wichtiger als der Kommentar, wann kann das Bild für sich sprechen? Das sind die essenziellen Fragen.

Sky überträgt sehr viel Golf. So wird die US PGA Tour seit Anfang der 90er-Jahre übertragen. Dennoch sind die Zuschauerzahlen überschaubar.

Sky geht es auch nicht um Zuschauerzahlen, sondern darum, den Abonnenten exklusive Inhalte zu bieten. Bei uns hängen im Aufzug auch keine Quoten, wie bei anderen Sendern. Unsere Währung ist die Kundenzufriedenheit und die liegt bei Sky Sport bei 86 Prozent. Sky zeigt im Grunde alles, was das Golferherz begehrt. Wir haben in 2012 über 80 Golfturniere übertragen. Darunter die European Tour, die PGA USA Tour, alle Majors, die Seniors Turniere und, und, und. Darüber hinaus zeigt Sky Sport News HD-Kurzzusammenfassungen der Golfturniere. Insgesamt also ein sehr attraktives Paket. Dass wir damit nicht Millionen von Zuschauern erreichen, ist bedauerlich, aber, wie eingangs erwähnt, für Sky nicht entscheidend und am Ende auch kein Wunder.

Warum? Der Ryder Cup hat doch gezeigt, dass Golf durchaus TV-tauglich ist. Weltweit haben Millionen zugeschaut.

In Deutschland besteht, anders als in den angelsächsischen Ländern, kein nationales Interesse am Golfspiel. Wir haben auch keine Tradition und keine Historie. Fußball zum Beispiel ist etwas anderes, das muss man auch niemandem erklären, das versteht jeder. Ich behaupte: wenn man nicht aktiver Golfer ist, kann man mit Golf im Fernsehen auch nichts anfangen. Denken sie nur an das Regelwerk, die Variationen, die Größe des Golfplatzes. Viele Faktoren machen es kompliziert.

Man könnte ja die Spielform ändern, die Plätze modifizieren, alles spannender gestalten.

Man kann kürzere Turniere spielen, die Löcher vergrößern, die Plätze verkleinern, Golf in Stadtparks wie dem Englischen Garten spielen und so weiter. Alles Ansätze, die man ja diskutieren kann. Aber ich bin da eher Traditionalist. Wenn sich das Spiel ändern würde, schaut niemand mehr zu. Der Golfer erkennt sein Spiel nicht mehr und ich glaube auch, dass die Golf-Institutionen da nicht mitmachen. Golf ist ja global so erfolgreich, weil es so ist, wie es ist. Das nationale ‚Golf-Problem‘ – wenn man denn überhaupt von einem wirklichen Problem sprechen will – interessiert auch Herrn Murdoch nicht.

Wir bleiben also Entwicklungsland?

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich Golf im TV auf breiter Basis durchsetzt. Insofern bin ich sehr dankbar, dass sich Sky mit viel Engagement dem Golfsport widmet. Wir müssen es momentan aber so sehen: Jemand, der sich für Golf interessiert, hat bestimmte Interessen: er möchte vor allem mehr Zeit auf dem Golfplatz verbringen, dann will er verreisen, dann ist das Material wichtig. Und er hat ein hohes Interesse daran, sein Handicap zu verbessern. und erst dann kommt sein Interesse an Weltklasse-Golf im Fernsehen.

LESETIPP

Krise von Golf-Star Kaymer hält auch vor dem Masters an

Am Finaltag der Players Championship ging bei Martin Kaymer nichts. Die Krise bei Deutschlands Top-Golfer geht weiter - ausgerechnet vor dem Masters. Den Triumph in Florida genießt ein Nordire. Sein Erfolgsrezept könnte vielleicht auch für Kaymer taugen.

Advertisement