Vor dem Start der Senior PGA Championship in Bradenton spricht Alex Cejka über einen Platz, der höchste Präzision verlangt, über seinen schwierigen Weg zurück nach Rückenproblemen und über die Sonderrolle Bernhard Langers im deutschen Golfsport.
Alex Cejka vor der Senior PGA Championship:
„Niemand ist hier komplett schmerzfrei“

Wenn am 16. April die Senior PGA Championship im The Concession Golf Club in Bradenton, Florida, beginnt, gehört Alex Cejka aus deutscher Sicht zu den interessantesten Spielern der Woche. Der erfahrene Major-Sieger reist mit viel Routine und großer Turniererfahrung an, zugleich aber auch mit einer sportlich heiklen Ausgangslage. Denn vor diesem Major geht es für ihn nicht nur um einen anspruchsvollen Championship-Kurs, sondern auch um die Frage, wie belastbar sein Spiel nach schwierigen Wochen körperlich und sportlich bereits wieder ist.
Schon im Vorfeld zeichnet Cejka ein sehr klares Bild vom Platz. The Concession sei in hervorragendem Zustand und aus seiner Sicht eine erstklassige Bühne für eine Major Championship. Gleichzeitig macht er deutlich, dass der Kurs seine besondere Schwierigkeit vor allem rund um die Grüns entfaltet. Wer hier die Grüns verfehlt, bekommt schnell ein unangenehmes Kurzspiel serviert. Genau darin liegt für ihn der Kern dieser Woche: Wer bestehen will, muss präzise spielen.
The Concession verlangt Präzision statt blinder Attacke
Für Cejka ist The Concession kein Platz, auf dem man sich allein mit Mut oder Aggressivität durchsetzen kann. Natürlich könne man den Driver einsetzen, auch die Par 5s seien grundsätzlich erreichbar. Doch wie offensiv man spielen könne, hänge stark von den Pin-Positionen und den Windverhältnissen ab.
Gerade die langen Löcher verlangen aus seiner Sicht kluge Entscheidungen. Wenn der Wind günstig steht, sind Chancen da. Dreht er jedoch oder kommt er den Spielern entgegen, verändert sich der Charakter des Kurses sofort. Dann werde aus einem Platz, auf dem man durchaus scoren könne, ein echter Belastungstest. Genau deshalb ist für Cejka klar, dass in Bradenton nicht Angriffslust allein zählt, sondern vor allem Disziplin, Ballkontrolle und sauberes Course Management.
Hinzu kommt die Qualität der Grüns. Es reicht auf diesem Platz nicht, sie nur irgendwie zu treffen. Entscheidend ist vielmehr, den Ball auf die richtige Ebene zu spielen und sich nicht auf der falschen Seite der Fahne in Probleme zu bringen. Wer „short-sided“ gerät, also zu kurz oder seitlich ungünstig liegt, bekommt schnell Schwierigkeiten, den Ball überhaupt in eine realistische Birdie- oder Par-Position zu bringen.
Deutlich härter als beim Team-Event vor zwei Jahren
Besonders aufschlussreich ist Cejkas Vergleich mit dem Team-Event, das vor zwei Jahren auf derselben Anlage ausgetragen wurde. Damals, so schildert er, sei der Platz deutlich birdiefreundlicher und offensiver vorbereitet gewesen. Manche Par 4s seien attackierbarer gewesen, insgesamt sei das Setup auf mehr Spektakel und mehr Scoring ausgelegt gewesen.
Für die Senior PGA Championship zeigt sich The Concession nun in einer anderen Gestalt. Viele Abschläge wurden weiter nach hinten verlegt, auch die Par 3s spielen sich spürbar länger. Dadurch verändert sich nicht nur die Distanz, sondern die gesamte strategische Aufgabe. Andere Schläger in die Grüns, andere Winkel, andere Entscheidungen. Aus Cejkas Sicht ist das nun klar ein Platz auf Major-Niveau.
Nach Rückenproblemen tastet sich Cejka zurück
Mindestens ebenso spannend wie der Kurs ist vor diesem Turnier Cejkas eigene Form. Der Saisonstart war vielversprechend, mit zwei Top-5-Ergebnissen hatte er früh gezeigt, dass sein Spiel grundsätzlich in guter Verfassung ist. Danach aber wurde er von massiven Rückenproblemen ausgebremst.
Er spricht offen über intensive Behandlungen und Injektionen. Normales Training sei in den vergangenen Wochen kaum möglich gewesen. Die letzten beiden Turniere habe er im Grunde ohne echte Vorbereitung gespielt, entsprechend unbefriedigend seien auch die Resultate ausgefallen. Für einen Spieler seines Kalibers ist das keine Nebensache, sondern ein erheblicher Einschnitt.
Dennoch klingt in seinen Aussagen kein Pessimismus mit, sondern eher eine vorsichtige Nüchternheit. Körperlich fühle sich der Rücken inzwischen wieder deutlich besser an. Spielerisch sei er allerdings noch nicht wieder dort, wo er gerne wäre. Er beschreibt sich selbst als noch „ein wenig rostig“, weil einfach Trainingszeit und Rhythmus gefehlt hätten.
Fit im Körper, noch im Aufbau im Spiel
Genau darin liegt die besondere Spannung vor diesem Major. Cejka wirkt körperlich stabiler, sportlich befindet er sich aber noch in einer Phase des Herantastens. Er betont, dass sein Spiel langsam zurückkomme und „jeden Tag ein bisschen besser“ werde. Ob das schon reicht, um in dieser Woche ganz vorne mitzuspielen, lässt er bewusst offen.
Statt großer Prognosen setzt er auf Realismus. Er wolle die Entwicklung von Tag zu Tag beobachten und einschätzen, wie weit ihn sein Spiel bereits wieder tragen könne. Gerade nach einer Verletzung sei der erste Turnierstart immer eine Herausforderung, auch für erfahrene Spieler. Insofern ist Bradenton für ihn nicht nur ein Major, sondern auch ein Gradmesser dafür, wie weit seine Rückkehr tatsächlich fortgeschritten ist.
Hilfreich könnte dabei sein, dass nun wieder mehr Rhythmus in den Kalender kommt. Statt längerer Pausen zwischen einzelnen Starts folgt nun eine kompaktere Phase mit mehreren Turnieren. Für einen Spieler, der nach körperlichen Problemen wieder in den Wettkampfmodus finden will, kann genau das ein entscheidender Vorteil sein.
„Niemand ist hier komplett schmerzfrei“
Besonders ehrlich und nahbar wird Cejka, wenn er über den körperlichen Alltag auf der Champions Tour spricht. Schmerzen seien auf diesem Niveau eher Normalität als Ausnahme. Die Spieler seien keine 20 mehr, fast jeder habe irgendwo Beschwerden, ob im Rücken, im Nacken oder in den Knien.
Gerade deshalb gehört der Umgang mit körperlichen Einschränkungen auf der Senior Tour zum Berufsalltag. Nicht die Frage, ob etwas zwickt, sondern wie man damit lebt, trainiert und spielt, entscheidet oft über Konstanz und Leistungsfähigkeit. In dieser Offenheit steckt viel von der Realität dieses Circuits: Erfahrung ersetzt manches, aber eben nicht die Gesetze des Körpers!
Bei Cejka ging die Situation zuletzt allerdings über das hinaus, was man als gewöhnliche Verschleißerscheinung abtun könnte. Bandscheibenprobleme sind eine andere Größenordnung als ein paar übliche Wehwehchen. Umso bemerkenswerter ist es, mit welcher Klarheit und Ruhe er seine Lage vor dem Major einordnet.
The Concession gehört zu den härteren Major-Plätzen
Auch im Vergleich mit anderen Major-Schauplätzen auf der PGA Tour Champions ordnet Cejka The Concession klar unter den anspruchsvolleren Kursen ein. Für ihn reiht sich die Anlage ohne Weiteres in die Liste jener langen und schweren Championship-Plätze ein, die in den vergangenen Jahren den Charakter großer Senior-Majors geprägt haben.
Gleichzeitig macht er deutlich, dass gute Scores hier durchaus möglich sind. Wenn das Wetter mitspielt und das eigene Spiel wirklich sitzt, könne man auf diesem Platz auch niedrig gehen. Runden deutlich unter Par hält er für realistisch. Doch genau das ist nur die eine Seite der Geschichte.
Die andere Seite ist wesentlich ungemütlicher. Wer den Ball nicht sauber trifft, die Grüns verfehlt oder sich in falsche Positionen spielt, wird schnell bestraft. The Concession verzeiht wenig, vor allem rund um die Grüns. Genau diese Balance aus Chancen und Konsequenzen ist es, die für Cejka den Major-Charakter dieser Anlage ausmacht.
Großer Respekt für Bernhard Langer
Neben Platz, Form und körperlicher Verfassung spricht Cejka auch mit großer Wärme über Bernhard Langer. Dabei wird deutlich, wie hoch seine Wertschätzung für den langjährigen deutschen Ausnahmegolfer ist. Langer sei ein prägender Teil seines gesamten Golflebens gewesen, und was dieser über vier oder sogar fünf Jahrzehnte hinweg geleistet habe, sei außergewöhnlich.
Dabei hebt Cejka nicht nur die sportliche Klasse hervor. Fast noch mehr beeindruckt ihn offenbar der Mensch Bernhard Langer. Er beschreibt ihn als jemanden, mit dem er gerne Zeit verbringt, beim Training ebenso wie abseits des Platzes. Gerade in dieser persönlichen Note liegt die Stärke seiner Aussagen.
Das vielleicht größte Kompliment formuliert er mit bemerkenswerter Klarheit: Langer sei aus seiner Sicht „ein noch besserer Mensch als Golfer“. Bei einem Spieler mit einer solchen Karriere ist das ein außergewöhnlich starkes Lob. Es zeigt, wie tief der Respekt reicht.
Deutsche Spieler auf der Tour: positive Entwicklung, aber Langer bleibt die Ausnahme
Auch die Entwicklung des deutschen Golfs ordnet Cejka differenziert ein. Über viele Jahre sei Bernhard Langer die dominierende deutsche Ausnahmeerscheinung gewesen. Erst später seien weitere deutsche Spieler stärker ins internationale Blickfeld gerückt.
Namen wie Marcel Siem, Martin Kaymer, Matthias Schmid oder Stephan Jäger stehen für diese Entwicklung. Cejka sieht sie grundsätzlich positiv und nimmt unter den deutschen Spielern eine gute Atmosphäre wahr. Es gibt also nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern auch ein gewachsenes Selbstverständnis des deutschen Golfs auf internationalem Niveau.
Trotzdem bleibt für ihn klar, dass Bernhard Langer in dieser Konstellation eine Sonderrolle einnimmt. Einen zweiten Spieler seines Formats werde es aus deutscher Sicht so schnell kaum geben. Das ist keine Kritik an der jüngeren Generation, sondern vielmehr eine Einordnung dessen, wie außergewöhnlich Langers Lebenswerk tatsächlich ist.
Mehr als nur eine Turniergeschichte
Gerade darin liegt die Stärke dieses Themas. Vor der Senior PGA Championship erzählt Alex Cejka eben nicht nur von Fairways, Grüns und Windrichtungen. Er spricht über Rückschläge, über körperliche Grenzen, über das langsame Zurückfinden in den Rhythmus und über die besondere Realität des Spiels auf der Senior Tour. Gleichzeitig liefert er eine Einordnung des deutschen Golfs, die durch seine Erfahrung zusätzliches Gewicht erhält.
Für Leser macht genau diese Mischung den Reiz aus. Der Platz liefert die Bühne, die Verletzung die Spannung, die Aussagen über Schmerzen auf der Tour die Nähe und die Worte über Bernhard Langer die emotionale Tiefe.
Fazit: Ein Major zwischen Präzision, Erfahrung und Körpergefühl
Vor dem Start in Bradenton ist Alex Cejka damit einer der interessantesten deutschen Protagonisten dieser Senior PGA Championship. Nicht, weil er große Parolen ausgibt, sondern weil er die Lage so offen und realistisch beschreibt. The Concession ist für ihn ein echter Major-Kurs, seine körperliche Verfassung verbessert sich, sein Spiel wächst langsam wieder zusammen – und genau diese Gemengelage macht seine Woche so spannend.
Es geht in diesem Fall nicht nur um die Frage, wie tief ein Score werden kann. Es geht auch um Erfahrung, Belastbarkeit und das Wissen, dass Golf auf diesem Niveau gerade auf der Senior Tour immer auch ein Spiel mit dem eigenen Körper ist. Genau das verleiht dieser Geschichte ihre eigentliche Tiefe.
Text: PGA of America / Yvonne Wirsing
Exklusiv Golfen CEO – Golf Club, Golf Community | Golfplätze, Golfclubs, Golfreisen und mehr

