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Stacy Lewis: Trotz Behinderung neue Nr. 1 auf der LPGA

Wer es im Sport nach ganz oben schaffen will, braucht nicht nur Talent, Trainingsfleiß und eiserne Disziplin. Es gehören auch Vorbilder dazu, Eigenschaften wie Frustrationstoleranz, das positive Umgehen mit Fehlern und Niederlagen, gesunde Ernährung, Verzicht auf Energie raubende Aktivitäten, Alkohol und Nikotin. Wer das schafft, kann auf Ersatzbefriedigungen verzichten, denn die vielen kleinen und großen Erfolgserlebnisse sind Ansporn und Freude genug. Sie erlauben sogar die Überwindung schwerer körperlicher oder seelischer Beeinträchtigungen. Die am 16. Februar 1985 geborene amerikanische Golferin Stacy Lewis war elf Jahre alt, als die Diagnose Skoliose fiel. Ihre schwere Rückgratverkrümmung sollte durch eine Oberkörperschiene aufgehalten oder verbessert werden, die sie 18 Stunden am Tag tragen musste. Nur zum Duschen und Golfen durfte sie diese ablegen. Grund genug, viele Stunden täglich auf dem Golfplatz zu verbringen, zu trainieren, das körperliche Manko in zahllosen Schwüngen und Putts zu vergessen. Die als sehr scheu geltende Stacy war 18 Jahre alt, als sie sich für eine aufrichtende Operation entschied, da die Orthese nicht den gewünschten erfolg bewirkte. Ihre Wirbelsäule wurde mit einer durch fünf Schrauben fixierten Metallschnur begradigt mit dem Risiko, nie wieder Golf spielen zu können. Die Operation gelang und es folgten sechs lange, schmerzhafte Monate, in denen sie ihre Wirbelsäule weder verdrehen noch beugen konnte.

Ihr Vater Dale erzählt, wie sich Schweißperlen der Pein auf dem Gesicht der Tochter bildeten, wenn sie nur aufstehen wollte. nach der Rekonvaleszenz begann die unscheinbare College-Schülerin wieder Golf zu spielen. Angst vor Anstrengungen oder Konkurrenz hatte sie nicht. Ihre Persönlichkeit ist durch die Problematik ihrer Skoliose, durch die Schmerzen und Ängste einer gewagten Operation gereift und erstarkt. Sie gewann bereits während ihrer College-Zeit zwölf Turniere, zuletzt die NCAA Championships 2007 als beste College-Golferin der USA überhaupt. Im Mai 2008 wechselte sie ins Profilager, wo sie Dritte bei den US Open wurde. Seit September 2008 ist Lewis beim Golfausrüster Mizuno unter Vertrag und fungiert hier als erste internationale Botschafterin des Konzerns und damit auch als Vorbild für andere junge Sportlerinnen und Sportler mit oder ohne Handicap. Ihren ersten Sieg als Profi erzielte sie 2011 im Kraft Nabisco Championship und rangiert seither als Zweite in der Weltrangliste der Golferinnen. 2012 gewann sie vier große Turniere und wurde Golfspielerin des Jahres.

Die siebenmalige Major-Siegerin Karrie Webb aus Australien, die heute in Florida in Stacy’s Nachbarschaft wohnt, sagt über ihre Trainingspartnerin und Freundin: ‚Stacy ist extrem schüchtern, aber sie gehört zu den Menschen, die viel Selbstvertrauen in sich haben, das sie nicht nach außen kehren müssen.‘ Die Leistungen der jungen Sportlerin aus Texas, die mit zwei Schwestern ohne großen finanziellen Hintergrund, aber mit viel moralischer Unterstützung der Familie aufwuchs, sprechen für sich. Heute gehört Stacey zu den gut verdienenden Spitzensportlern. Ihre wachsende Popularität nutzt die bekennende Christin für soziale Zwecke. So sprach sie kürzlich in Washington vor Kongressmitgliedern über die Bedeutung von Fitness für Kinder, was in einem Land mit vielen, auch extrem übergewichtigen Menschen sehr wichtig ist. Mit aktiver, sportlicher Leidenschaft kann viel erreicht und auch überwunden werden. Stacy ist der Beweis, ein Vorbild an Erfolg und Bescheidenheit.

Autorin für das green-Golfmagazin: Petra Levator

Die Autorin hat auch einen Beitrag über die Special Olympics Deutschland 2012 verfasst, der auf ihrer Homepage zu finden ist: petra-levator.de

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