Birdie an der 17, Eagle an der 18 – und plötzlich stand Lena Geier ganz oben in der Zählspielwertung der Team-Europameisterschaft. Jetzt wartet auf die 17-jährige Nachwuchsgolferin aus Bayern der nächste große internationale Auftritt: Beim PING Junior Solheim Cup spielt sie für Europa gegen die USA. Wie geht sie mit solchen Momenten um – und wohin soll ihr Weg im Golf führen?
Manchmal versteht man erst nach der Runde, was gerade passiert ist. Bei Lena Geier war es ein Finish, das selbst im Golf nicht alle Tage vorkommt. Bei der Team-Europameisterschaft der Mädchen im Golf & Country Club Zürich lag sie an der 17, einem Par 3, im Bunker. Von dort pitchte sie direkt zum Birdie ein. An der 18 folgte der nächste außergewöhnliche Schlag: Mit dem Holz spielte sie den Ball fast bis zum Tap-in an die Fahne und beendete ihre Runde mit einem Eagle.
Gedanken an die Führung? In diesem Moment offenbar nicht.
„Ich war in dem Moment schon ziemlich im Tunnel“, erzählt Geier. „Währenddessen habe ich aber gar nicht so richtig darüber nachgedacht, was das gerade für das Ergebnis bedeutet. Ich war eigentlich nur beim nächsten Schlag.“
Erst danach wurde ihr bewusst, dass sie mit Birdie–Eagle nicht nur spektakulär gefinisht, sondern die Zählspielphase als Beste beendet hatte.
„Das war schon ziemlich besonders – vor allem, weil so ein Finish wahrscheinlich nicht allzu oft passiert.“
Vom deutschen Team ins Team Europe
Nur wenige Wochen später folgt der nächste internationale Höhepunkt. Am 7. und 8. September gehört Lena Geier beim PING Junior Solheim Cup im niederländischen Bernardus zum europäischen Team. Ihren Platz im Team Europe hat sie sich über die Qualifikation erspielt.
Diesmal steht nicht Deutschland auf der Kleidung, sondern Europa.
„Für Deutschland zu spielen ist schon etwas ganz Besonderes, aber beim Junior Solheim Cup spielt man plötzlich für ganz Europa“, sagt Geier. Spielerinnen aus verschiedenen Ländern, die sich während der Saison teilweise als Konkurrentinnen begegnen, treten nun gemeinsam an.
„Wenn man dann wirklich dort steht und Europa auf der Kleidung trägt, wird das nochmal viel emotionaler.“
„Ich gegen dich, Loch für Loch“
Auch sportlich verändert der Junior Solheim Cup die Perspektive. Statt um den niedrigsten Gesamtscore geht es im Matchplay um jedes einzelne Loch. Eine Spielform, die Geier liegt.
„Beim Zählspiel spielst du eigentlich die ganze Zeit gegen den Platz und deinen eigenen Score. Beim Matchplay hast du dagegen diese direkte Situation: Ich gegen dich, Loch für Loch.“
Ein schlechtes Loch ist dann zunächst einmal genau das: ein verlorenes Loch. Am nächsten Abschlag beginnt das Duell neu.
„Genau dieses Kämpfen und die Emotionen dabei machen mir richtig Spaß. Und im Team wird es wahrscheinlich nochmal intensiver.“
Dabei versucht Geier, weder einem schlechten Loch hinterherzudenken noch sich von einem Eagle zu sehr mitreißen zu lassen.
„Ich versuche, meinen Score während der Runde so wenig wie möglich im Kopf zu haben und einfach jeden Schlag für sich zu spielen.“

Ihre sportliche Heimat: Bad Griesbach
So international ihr Turnierkalender inzwischen ist, ihre sportliche Heimat liegt in Bayern. Lena Geier spielt für das Quellness & Golf Resort Bad Griesbach und trainiert dort mit Pro Denis Prössel.
Den Beckenbauer Course kennt sie entsprechend gut. Nach dem einen Loch gefragt, das für sie auf diesem Platz besonders heraussticht, muss sie allerdings überlegen.
„Auf einem Platz, den man so oft spielt, hat man eigentlich mit fast jedem Loch irgendwann schon alles erlebt. Es gibt definitiv Löcher, an denen ich schon super Birdies gespielt habe und beim nächsten Mal gedacht habe: Was mache ich hier eigentlich? Das gehört wahrscheinlich einfach zum Golf dazu.“
Genau diese Erfahrung dürfte ihr inzwischen auch helfen, gute und schlechte Schläge einzuordnen.
Was Lena Geier selbst kontrollieren kann
Dreiputt, verzogener Abschlag oder falsche Entscheidung – was ärgert Lena Geier am meisten?
Die schlechte Entscheidung.
„Einen schlechten Schlag macht jeder. Man kann einen perfekten Plan haben und den Ball trotzdem schlecht treffen.“
Anders sieht sie es, wenn sie eigentlich weiß, welcher Schlag der richtige wäre, sich aber trotzdem anders entscheidet.
„Wenn ich eigentlich weiß, was der richtige Schlag wäre, und trotzdem eine schlechte Entscheidung treffe, ärgert mich das mehr. Das ist etwas, das ich selbst kontrollieren kann.“
Auch einer vermeintlich perfekten Vorbereitung auf der Range misst sie deshalb nicht zu viel Bedeutung bei. Sie hat schon vor Runden jeden Ball perfekt getroffen und anschließend auf dem Platz keinen guten Tag erwischt. Und sie kennt das Gegenteil.
„Deshalb versuche ich, die Range vor einer Runde nicht zu bewerten. Ich will mich gut vorbereiten und ein gutes Gefühl bekommen, aber entscheidend ist erst, was auf dem Platz passiert.“
Was keine Scorekarte über Lena Geier erzählt
Wer nur Ergebnisse, Ranglisten und Scores betrachtet, bekommt ohnehin nur einen Teil ihres Golflebens mit.
„Gerade wenn wir mit dem Team reisen, entstehen so viele Erlebnisse und Erinnerungen neben dem Golfplatz. Oft bleiben mir davon sogar mehr Erinnerungen als an die eigentlichen Runden.“
Besonders wichtig sind ihr die Freundschaften, die trotz sportlicher Konkurrenz entstehen. Das ganze Jahr spielt man gegeneinander und will gewinnen – und versteht sich gleichzeitig richtig gut.
Manchmal stehen dieselben Spielerinnen wenig später gemeinsam in einem Team. Bei einer Team-EM beispielsweise. Oder jetzt beim Junior Solheim Cup.
„Genau das sind für mich die Sachen, die man auf keiner Scorekarte sieht: die Freundschaften, die Reisen, die ganzen lustigen Momente und die Erinnerungen, die man zusammen sammelt. Golf ist für mich deshalb viel mehr als nur meine Scores.“
Zweimal ganz vorne im internationalen Feld
Wie erfolgreich Geier derzeit auch international spielt, zeigte sich im August gleich zweimal. Bei ihrem Debüt auf der LET Access Series spielte die 17-jährige Amateurin bei der CSK Steel Women’s Open in Dänemark auf Anhieb um den Sieg und wurde nach einem Playoff geteilte Zweite. Wenige Tage später führte sie bei der traditionsreichen R&A Girls‘ Amateur Championship in Schottland. Nach zwei Zählspielrunden führte sie das Feld von 144 Spielerinnen aus 32 Ländern mit vier unter Par an.
Der nächste Schritt heißt USA
Ihr nächstes großes Ziel ist College-Golf in den USA. Dort möchte sie sich sportlich und persönlich weiterentwickeln, gegen starke Spielerinnen antreten und möglichst viele Erfahrungen sammeln.
Danach könnte der nächste große Schritt folgen. „Natürlich wäre der Traum, den Schritt ins Profigolf zu versuchen.“
Interessant ist, woran Geier selbst in fünf Jahren messen würde, ob ihr Weg erfolgreich verlaufen ist. Nicht ausschließlich an Titeln oder einer bestimmten Tourkarte.
„Wenn wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten und ich sagen kann, dass ich die Möglichkeiten genutzt habe, die ich bekommen habe, mich weiterentwickelt habe und immer noch genauso gerne Golf spiele wie heute, dann wäre schon sehr viel richtig gelaufen.“
Und dann fügt sie doch noch hinzu: „Natürlich wäre es schön, wenn bis dahin auch ein paar richtig große sportliche Erfolge dazugekommen sind.“
Der nächste große Termin steht bereits fest: der Junior Solheim Cup am 7. und 8. September in Bernardus. Dann zählt für Lena Geier wieder das, was schon bei ihrem Birdie-Eagle-Finish funktioniert hat: beim nächsten Schlag bleiben.
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