Aus zehn Schlägen Rückstand zum größten Erfolg ihrer Karriere: Haeran Ryu gewinnt die KPMG Women’s PGA Championship 2026 im Hazeltine National Golf Club und feiert ihren ersten Major-Titel. Während die Südkoreanerin Golfgeschichte schreibt, endet für Weltranglistenerste Nelly Korda die Hoffnung auf den dritten Major-Sieg der Saison.

Als Haeran Ryu auf dem 18. Grün ihren letzten Putt versenkt, kann sie ihr Glück selbst kaum fassen. Sie lacht, schüttelt ungläubig den Kopf und blickt zu ihren Mitspielerinnen, die bereits mit Champagner auf sie warten. Ein Bild, das perfekt zu diesem Sonntag passt.
„Es fühlt sich wie ein Traum an“, sagt die 25-Jährige wenig später. „Beim nächsten Turnier werde ich als Major Champion Haeran Ryu vorgestellt. Das ist unglaublich.“
Dabei deutete nach der ersten Runde kaum etwas auf diesen Triumph hin.
Eine Aufholjagd für die Geschichtsbücher
Mit einer 73 zum Auftakt lag Ryu bereits zehn Schläge hinter der Spitze. Das erklärte Ziel war zunächst bescheiden.
„Ich wollte einfach nur das Wochenende erreichen“, erzählt sie rückblickend.
Doch was folgte, war eine beeindruckende Demonstration ihres Könnens. Mit einer bogeyfreien 64 am Freitag und einer 68 am Samstag spielte sich die Südkoreanerin plötzlich an die Spitze des Leaderboards.
Am Finaltag wartete allerdings die nächste Bewährungsprobe.
Schon auf den ersten fünf Löchern kassierte Ryu drei Bogeys. Die Führung war dahin, das Feld rückte zusammen und das Rennen um den mit 13 Millionen Dollar dotierten Rekord-Preisgeldtopf entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch.
Nelly Korda startet ihre Aufholjagd
Während Ryu um ihren Rhythmus kämpfte, meldete sich auch Weltranglistenerste Nelly Korda noch einmal eindrucksvoll zurück.
Birdies auf den Bahnen sieben, acht und zehn brachten die Amerikanerin bis auf zwei Schläge an die Spitze heran. Für einen Moment schien sogar ihre historische Mission wieder möglich.
Nach ihren Siegen bei den ersten beiden Major-Turnieren der Saison hätte Korda als erst dritte Spielerin nach Babe Zaharias (1950) und Inbee Park (2013) die ersten drei Majors eines Jahres gewinnen können.
Doch genau diesen Druck verspürte sie selbst offenbar gar nicht.
„Ihr habt daraus eine große Geschichte gemacht“, sagte Korda nach ihrer Schlussrunde. „Ich habe darüber eigentlich gar nicht nachgedacht. Ich bin eher enttäuscht darüber, wie ich diese Woche gespielt habe.“
Statt auf Rekorde blickte die Weltranglistenerste nüchtern auf ihre eigene Leistung – ein bemerkenswert ehrliches Fazit.

Das Schlüsselloch: Nummer 10
Für Haeran Ryu kam der Wendepunkt ausgerechnet auf einem Loch, das sie selbst als eines der schwierigsten auf dem Platz bezeichnet.
Der Abschlag auf der Zehn verlangt Präzision, der zweite Schlag ist wegen des Windes besonders anspruchsvoll. Genau dort gelang ihr jedoch der vielleicht wichtigste Birdie der Woche.
„Das war für mich der entscheidende Schlag“, sagte sie später.
Während Brooke Henderson ebenfalls Birdie spielte und den Druck hochhielt, antwortete Ryu sofort. Anstatt ihre Führung zu verlieren, verteidigte sie sie – und legte wenig später mit einem weiteren Birdie auf der Zwölf nach.
Von diesem Moment an gab sie das Turnier nicht mehr aus der Hand.
Vertrauen statt Druck
Auffällig war, wie ruhig Ryu trotz der engen Entscheidung blieb.
„Ich wusste, dass Brooke großartig spielt. Aber ich habe mich nur auf mein eigenes Spiel konzentriert und mir selbst vertraut. Das hat funktioniert.“
Genau dieses Vertrauen spiegelte sich auch in ihrer Statistik wider. Über die gesamte Woche gehörte sie zur besten Ballstrikerin des Feldes und führte unter anderem die Kategorien Strokes Gained: Tee-to-Green, Greens in Regulation und Strokes Gained: Total an.
Mit einer Schlussrunde von 70 Schlägen gewann sie schließlich bei insgesamt 13 unter Par vor ihrer Landsfrau Ina Yoon (-11). Brooke Henderson und Dewi Weber teilten sich Rang drei bei zehn unter Par.
Ein Monat Pause als Schlüssel zum Erfolg
Bemerkenswert ist auch, dass Ryu wenige Wochen zuvor bewusst eine Golf-Auszeit eingelegt hatte und sogar auf die U.S. Women’s Open verzichtete.
„Ich brauchte einfach eine Pause vom Golf“, erzählt sie. „Ich konnte Zeit mit meinen Eltern verbringen und das Essen meiner Mutter genießen. Das hat mir unglaublich gutgetan.“
Nach ihrem Sieg gehörte ihre erste Umarmung genau dieser Mutter.
„Sie wollte weinen“, erzählt Ryu lachend. „Ich habe nur gesagt: Bitte nicht weinen. Das ist doch etwas Schönes.“
Der verdiente Lohn
Neben ihrem ersten Major-Titel erhält Haeran Ryu ein Preisgeld von 1,95 Millionen US-Dollar. Viel wichtiger dürfte für sie jedoch der Titel sein, der sie künftig begleitet.
Beim nächsten Turnier wird sie erstmals als Major Champion Haeran Ryu angekündigt. Ein Satz, den sie nach diesem außergewöhnlichen Sonntag selbst noch immer kaum glauben kann.
Der Artikel basiert auf dem offiziellen Pool Report von Jim McCabe (PGA of America Pool Reporter) sowie den offiziellen Pressekonferenzen und Quick Quotes der KPMG Women’s PGA Championship 2026.
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