Mittwoch , August 16 2017
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Golfsport als Beruf: Der Weg zum Profigolfer

Anlässlich des European Junior Turnier in München Eichenried (8. bis 10. August 2017) haben wir uns die Frage gestellt, welche Aufgabe und Rolle spielen die Eltern bei einer noch jungen Golfkarriere? Worauf müssen sich Eltern einstellen, wenn ihr Kind viel Talent und Ehrgeiz beim Golfsport zeigt? Denn vom Hobbygolfer, der ein paar Bälle auf der Range schlägt und am Wochenende mit Freunden eine Runde auf den Platz geht, kann hier nicht die Rede sein. Wenn ein Kind erst einmal richtig heiß auf’s Golfen geworden ist, wird es schwierig dieses Feuer wieder zu löschen. Was erwartet also die Eltern, die ihr Kind unterstützen und fördern möchten?

Erst seit kurzem im Golfsport aktiv, Lena Marie Hemmers spielt im GC München Eichenried
Lena Marie Hemmers ist erst 15 Jahre alt und spielt im Golfclub München Eichenried für die Jugendmannschaft. (Fotocredit: Heidi Rauch)

Zur Unterstützung und Förderung brauchen die Eltern erst einmal viel Zeit, Geduld und vor allem Spaß am Sport selbst. Ein talentierter Junior (i.d.R. bis 18 Jahre) mit einstelligem Handicap, steht wahrscheinlich vier bis sechs Tage die Woche auf dem Golfplatz. In den meisten Fällen bedeutet das für die Eltern: Fahrdienst. „Mein Heimatclub ist nicht weit weg von zuhause, aber da ich jetzt für die Mannschaft in München Eichenried spiele, fahren meine Eltern mich knapp 45 Minuten mit dem Auto zwei bis drei Mal die Woche“ erklärt Lena Marie Hemmers (Jugendspielerin GC München Eichenried Hcp. 9).

Dies ist kein Einzelfall, denn viele junge Spieler wechseln von ihrem Heimatclub in einen leistungssportlich ausgerichtet Club. Die Eltern von Lena haben für dieses Problem eine Zwischenlösung gefunden. ‚Ich bin zusätzlich aber noch in meinem Heimatclub als Zweitmitglied angemeldet. So kann ich zwei bis drei Mal die Woche noch zuhause trainieren und meine Eltern müssen mich nicht so oft fahren‘, erzählt die 15-Jährige.

Bei so viel Golf kommt die Frage auf, ob die schulischen Leistungen darunter leiden? Beim heutigen Schulsystem sitzen die Kinder oft bis nachmittags im Klassenzimmer, wer danach noch Hausaufgaben und Golfen erledigen möchte, braucht gutes Zeitmanagement. ‚Dieses Schuljahr waren die Noten überraschend gut. Neben Golf und Schule mache ich eigentlich nicht mehr viel. Ich habe meine meisten Freunde hier im Golfclub und meine Schulfreunde sehe ich ja in der Schule‘, sagt Lena.

Entscheidend wie bei allen anderen Sportarten ist die Balance zwischen Schule, Freunde und Sport. Der Traum einmal auf der Profi-Tour zu spielen haben die meisten Kinder in diesem Alter. Tatsächlich seinen Lebensunterhalt mit dem Golfsport zu verdienen schaffen aber nur die wenigsten. ‚Nur wer früh genug anfängt kann Profi werden.‘ Diesen Spruch hört man häufig, wenn es um die Frage geht, wann man am besten mit dem Golfen anfangen sollte. Wie bei allen anderen Sportarten lässt sich sagen, je früher desto besser. Im jungen Alter kann ein Mensch einfach schneller lernen als wenn er älter ist. Tiger Woods begann bereits mit zwei Jahren die Schläger zu schwingen und Lydia Ko gewann mit 16 ihr erstes Profiturnier. Ein früher Start in den Sport hat seine Vorteile, doch am Ende entscheidet Talent und Ehrgeiz über den Erfolg.

Um den Traum einer Profikarriere zu verfolgen, ist eine gute Beziehung zum Trainer sehr wichtig. Der Trainer einer Mannschaft betreut die Jugendlichen über Jahre hinweg und wird für viele eine Bezugsperson. Besonders das Verhältnis zwischen Eltern und Trainer ist in diesen Jahren wichtig, da der Trainer den sportlichen Fortschritt der Jugendlichen objektiver bewerten kann als die Eltern. Falls der Trainer das Gefühl hat einer seiner Schüler hat nicht das Zeug zum Profi, wird er es den Eltern sagen und möglicherweise darauf hinweisen diesen Weg nicht weiterzugehen. Nicht jeder Jugendspieler kann Profi werden, aber für die Eltern ist es oft schwierig dies anzuerkennen. Aber wie beim Arzt sollte man sich in einer solchen Situation immer eine zweite Meinung einholen, denn vier Augen sehen bekanntlich besser als zwei.

Zwischenstation College

Ab einem bestimmen Alter gibt es für talentierte Leistungsgolfer in Deutschland in der Regel nur einen nächsten Schritt: Golfstipendium USA. Die europäische Nachwuchsförderung kann heutzutage nur schwer mit dem in den USA fest verankerten Collegegolf mithalten. Dort haben Jugendliche die Möglichkeit den Golfsport in den Mittelpunkt zu stellen, ohne ihre schulische Ausbildung zu vernachlässigen. Unterricht und Sport werden hier aufeinander abgestimmt, was zu einer idealen Förderung führt. Die Konkurrenz ist in den USA größer und Sportler treten schon in jungen Jahren gegen die besten der Welt an. In Deutschland gibt es ein solches Schulprogramm leider nicht. Viele Talente wie bspw. Max Rottluf und Stephan Jäger sind aus Deutschland in die USA gegangen, um dort auf’s College zu gehen.

Um ein Golfstipendium auf einem amerikanischen College zu bekommen, müssen einige Leistungskriterien erfüllt sein. In der Regel müssen Männer ein Handicap von mindestens 2 und einen Rundenschnitt von ca. 75 haben. Bei Frauen sind die Anforderungen etwas geringer, hier benötigt man ein Handicap von 5 und einen Rundenschnitt von ca. 77-78. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen sollte man viele internationale Turniere spielen und versuchen so viele Weltranglistenpunkte wie möglich zu sammeln. Ein Pflichtkriterium ist ein Schulabschluss (Abitur oder Realschulabschluss mit GED-Test) oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Wer sich auf die Reise Richtung Profikarriere begeben möchte, darf dabei nicht die anfallenden Kosten vergessen. Equipment (die Schläger wachsen leider nicht mit!), Golf-Jahres-Mitgliedschaft, Training, Autofahrten und ggf. Flüge zu Turnieren werden nur in Teilen vom Club/Verband übernommen.

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